"Kapazunderexzess" (Wiener Dialekt Poetry)

 
Drüben, auf da 4er Stiagn,                                                     
da wohnt aner, i tua net liagn,                                                         
der Oide, der hot ois im Griff, 
waun i voi sauf, kippt er an Pfiff.
 
Man merkt glei, der is voi gaunz wichtig, 
mocht nie wos foisch, immer nur richtig.

Sei edler Zwirn, a Augenschmaus, 
auf seiner Schoß, a Zuckermaus,
 
seine Sprache elitär, 
schnippt mitn Finger, hots net schwer,
 
waun er red, san olle gusch, 
er hat ois, der braucht kan Pfusch.
 
Was der in unsan Beisl mocht, 
weit noch zwöfe in da Nocht,
 
Er locht gaunz liab, hot kan Genierer, 
und i bin fett wia a Radierer.
 
Da wor i wieda voi im Ö 
und speib und brunz dann a no schnö
 
owa net drin, na, vor der Türe,
angeblich wors um hoiba viere,
 
da Wirt hots gsegn und hot laut brüüt:
„ i bring di um !“, der wor echt wüd.
 
Do is da Kapazunder kumma, 
hot eam beruhigt, zur Seitn gnumma,
 
die Scheinchen hob i rascheln ghert, 
daun hots in Wirtn nimmer gstehrt.
 
Obwohl i ziemlich dreckig wor, 
und für sei Kutschn doch a Gfohr,

da Kapazunder hot mi ham chauffiert, 
i hab eh nix mehr kapiert.

Daun hab in länger nimma gsegn, 
zum Higehen wor i zu verlegn.

Und a im Beisl wor a nimma,
wie lang net, i hab keinen Schimmer.

Doch daun in dieser Schicksoisnocht,
am 10., kurz noch hoiba ocht.

da hob i eam daun doch no gsegn, 
erleuchtet quasi, net sehr scheen.

Ja drübn, auf da 4 er Stiagn, 
„da brennt aner!!“, i tua net liagn.

Angeblich hat ers angekündigt,
und sei Bua hat eam entmündigt.

Das Streichholz konnt er net verhindern, 
da Papa woit nur Schmerzen lindern.

A traurigs End, vom Kapazunder, 
es wird vü gredt, is jo ka Wunder,

doch sei Geist, der bleibt im Beisl, 
und i geh wieder brav aufs Heisl.                                        

 

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